JEVER Der in Wilhelmshaven lebende marokkanische Künstler Aziz Elgat schuf dieses deckenhohe 3D-Fresco im Foyer des Verwaltungsneubaus des Mariengymnasiums. Es zeigt Jevers Regentin Fräulein Maria als bildungsbewusste Herrscherin. Unübersehbar empfängt sie so jeden Lehrer, Schüler und Besucher in der Bildungsanstalt, die sie einst 1573 als Lateinschule gründete. Ermöglicht wurde das aufwendige Kunstwerk durch Spenden des Fördervereins sowie des Vereins der Ehemaligen. Eine offizielle Einweihung des beeindruckenden Bildnisses soll in Kürze erfolgen.
JEVER/WAN An diesem Dienstag stellte die „Kräuter-AG“ des Mariengymnasiums zu Jever die von ihr geschaffene Kräuterspirale vor. Sie ist ein Teil der Bewerbung des MG für den Titel „Umweltschule in Europa“.
Schon im letzten Schuljahr hatten Rika Geyer (12 Jahre) sowie Quentin Voß und Jelko Weerts (beide 15) mit der Planung begonnen. Unterstützt wurden sie dabei von Gerald Kühn, eigentlich Lehrer für Mathematik und Politik aber auch mit einem Faible für dieses Projekt. Corona bremste die AG zwar aus, aber die Gruppe nutzte die Zeit schon einmal für die Suche nach Sponsoren.
So steuerte die Baumschule Meyer verschiedene Böden und die Gärtnerei Otten Pflanzerde bei und die LzO-Stiftung sorgte für eine finanzielle Unterstützung für den Kauf der Pflanzen. Beim Baumaterial aber waren die Schüler findig und bauten die eigentliche Spirale auf einem Areal neben dem Christian-Heinrich-Wolke-Haus nach dem Prinzip des „Upcycling“ mit Steinen auf, die bei der Restaurierung des Schulhofs übrig blieben.
Wie die Schüler erläuterten, legten sie zunächst ein Kiesbett als Drainage an, bevor der Boden aufgebracht wurde. Diese Böden wiederum mussten von unterschiedlicher Beschaffenheit sein, denn manche Kräuter mögen es trocken, andere lieber feucht. Das Entscheidende aber waren die Pflanzen, denn die sollten nicht nur als Kräuter für den menschlichen Verzehr gut sein sondern auch bienen- und insektenfreundlich. Der Schulhof sei ja eher karg und weise bisher kaum Pflanzen auf.
Gepflanzt wurden gebräuchliche Kräuter wie Thymian, Basilikum, Rosmarin und Liebstöckel. Die Bepflanzung wird noch ausgeweitet und eine Blühwiese soll die weitere Fläche bereichern, die dann auch noch umzäunt wird. „Damit wird unser Schulhof nachhaltiger und umweltfreundlicher“, betonten die drei Schüler.
Dieses Projekt wird nun als Teil der Bewerbung eingereicht. Ein weiteres Projekt um die Thematik der Nachhaltigkeit erarbeitet derzeit die Umwelt-AG des MG und alle Beteiligten hoffen jetzt natürlich auf das Siegel als „Umweltschule in Europa“ und die ebenfalls damit verbundene Vernetzung mit gleichgesinnten Schulen.
JEVER/WAN Quentin Voß (15) aus Schortens wirkt in der sogenannten Kräuter-AG des Mariengymnasiums mit und hat viele Ideen und tatkräftiges Mitwirken eingebracht.
Frage: Was ist dein Beweggrund für die Teilnahme an dem Projekt?
Quentin: Der Umweltgedanke ist mir wichtig, weil er für unseren gesamten Planeten von so großer Bedeutung ist.
Frage: Äußert sich das auch in deiner privaten Lebensführung oder deinem Konsumverhalten?
Quentin: Ja, zum Beispiel beim Einkauf von Lebensmitteln. Da bitte ich meine Eltern, solche aus nachhaltigem Anbau zu kaufen, oder beispielsweise bei Eiern nur solche von freilaufenden Hühnern, und frische Sachen, die nicht aus industrieller Herstellung kommen.
Frage: Und wie hältst du es mit dem Garten bei dir zu Hause, baust du da auch Kräuter oder Gemüse an?
Quentin: Nein, ganz so weit gehe ich nicht. Aber ich helfe meinem Vater gern bei den Blumenbeeten.
JEVER/WAN Allen Widrigkeiten zum Trotz wurden die Zeugnisse für das Abitur 2021 des Mariengymnasiums zu Jever an diesem Donnerstag mit einer großen Feierstunde ausgegeben. Als schon traditioneller Gastgeber freute sich Pastor Torsten Harland in der Stadtkirche zur Begrüßung: „So schön – so viele Menschen hier!“
Womit er wie die folgenden Redner die Belastungen der Corona-Krise ansprach. Wozu Schulleiter Jürgen Ploeger-Lobeck aber unmissverständlich klarstellte, dass es deshalb nicht etwa ein „Abi light“ geworden sei: „Eher im Gegenteil.“ Und eine der besonderen Herausforderungen räumte in ihrem Grußwort gleich eingangs die stellvertretende Landrätin Marianne Kaiser-Fuchs ein, das Hin und Her an Erlassen und Verordnungen, die die Schulleitung oft quasi über Nacht umzusetzen hatte.
Diesen echten Corona-Jahrgang gelte es besonders zu würdigen, betonte dann Bürgermeister Jan Edo Albers, der vor genau 25 Jahren hier selbst sein MG-Abitur feiern durfte. Renate Janßen-Niemann vom Verein der Ehemaligen des MG bescheinigte den Absolventen, dass sie mit unbändigem Willen wie die Schweiz bei der EM über Weltmeister Frankreich triumphiert und den Weg zu ihrer Europameisterschaft geebnet hätten.
Katja Fahle und Annette Muschallik bescheinigten den Abiturienten seitens des Schulelternrats hohe Stressresistenz und gaben ihnen eine Art Kalenderspruch mit: „Man sollte viel öfter mal einen Mut-Ausbruch haben.“ Und dann starteten Schulleiter Ploeger-Lobeck und Oberstufenkoordinatorin Kati Finke ein Rededuett mit 18 Seiten Manuskript. Aber – das war so geistreich, locker und witzig, dass kein Wort zu viel erschien.
Da überboten sie sich beim sogenannten Quartett mit Schüler-Höchstleistungen und bescheinigten ihren Schützlingen eine Meisterschaft im Finden von Lösungen angesichts immer neuer Widerstände. Dabei sei dieser Jahrgang durch die Pandemie wie keiner je zuvor in Mitleidenschaft gezogen worden, denn ihr normales Schülerleben wurde praktisch komplett abgesagt: kein Sport, keine Freizeitangebote, keine Exkursionen und Arbeitsgemeinschaften und kaum soziale Kontakte bei trotzdem hohen schulischen Ansprüchen. Dem seien sie mit viel Kreativität, Geduld und Entschlossenheit begegnet.
Nach einem großen Dank auch für das Mitziehen der Eltern und einem philosophischen Ausflug zum Thema Lebensglück betonte Kati Finke den Unterschied, den das Abitur als Meilenstein im jungen Leben ausmacht: „Sie sollten – nun dürfen Sie wollen!“ Wie gut das Schüler-Lehrer-Verhältnis war, unterstrich Marc Luhr in seiner Abiturientenrede. Sie hätten stets gespürt, wie sehr es nicht nur ihr Anliegen sondern auch das ihrer Lehrer gewesen sei, das Ziel zu erreichen.
Riesenbeifall folgte dann auf sein hohes Lob für die Schulsekretärinnen Edith Klostermann und Brigitte Eilers und ihre Tutoren. Aber ebenso auch auf die Ankündigung, dass es ganz kurzfristig gelungen sei, doch noch für den Freitagabend einen zünftigen Abi-Ball in der Wittmunder „Residenz“ zu arrangieren.
Bevor die Zeugnisse ausgegeben wurden, erfolgte mit „Bridge over troubled Waters“ (Simon & Garfunkel) von einem Abiturientenquartett mit Musiklehrerin Frauke Harland der für diesen Corona-Jahrgang absolut passende Musikbeitrag. Und es gab abschließend noch einmal etwas zum Staunen, denn unter den 68 diesjährigen Abiturienten waren gleich 21 mit einer 1 vor dem Komma. Das Spitzenquartett Clemens Beisenherz (1,0), Luise Sluiter, Sarah Becker und Kareshan Mayurathan (alle 1,2) wurde besonders gewürdigt. Neben einigen anderen mit Stipendien bedachten Schülern wurden Beisenherz sowie Jonas Evers für die Studienstiftung des deutschen Volkes vorgeschlagen.
JEVER/WAN Alles war an diesem Mittwoch anders als bei den 17 bisherigen Inszenierungen der Musical-AG des Mariengymnasiums zu Jever unter Leitung von Jens Marnowsky. Nur eines nicht: Begeisterung pur bei der Premiere im Theater am Dannhalm.
Corona hatte dazu geführt, dass nur unter sehr erschwerten Bedingungen geprobt werden konnte, und bis vor kurzem war noch offen, ob man überhaupt würde drinnen spielen können. Und Regisseur Marnowsky hatte „Haltestelle Geister“ coronamäßig um zu hautnahe Szenen und berührungsintensive Choreographie-Einlagen gekürzt.
Dennoch entfaltete das postmoderne Theaterstück, das in voller Pracht bereits 2007 in der Aula des MG für Furore sorgte, einen hinreißenden Charme. Das begann schon vor dem beeindruckenden Bühnenbild einer U-Bahnhaltestelle, als sich auf deren zentraler Rundbank die angebliche außerirdische Prinzessin Tallulah (Anrike Hering) herumdrückte. Alsbald wird sie mal vom Imbissinhaber – Philipp Tran als herrlich kauziger Fritten-Galan – umgarnt, mal von Dealer Rico aufgesucht.
Der treibt immer wieder sein Unwesen, doch es sei gleich vorweg gesagt: dieses absurde Stück hat keine echte Handlung. Als roter Faden ziehen sich stattdessen wenig harmonische Beziehungsgeflechte und vor allem ein dunkler Todesengel so durch das Geschehen, dass zum Finale hin quasi alle Akteure entweder verrückt oder tot oder beides sind.
Da rauben Straßenmädchen einen älteren Herrn aus, dessen Absichten nicht ganz sauber erscheinen. Da geistert ein sehr alter Mann umher, der seit 19 Jahren seine Frau vermisst, aber nicht sagen kann, wie sie aussieht. Und dann wäre da noch der Herr, der eine per Internet kontaktierte Frau sucht und frustriert auf immer neue Ablehnung stößt.
Zu den stärksten Szenen aber gehören die Streitereien zwischen dem Opernfreund und seiner aufgetussten Gattin (Jane Fischer, Lea Weihrauch). Sie brauchen keinen Anlass für wild bewegte Zusammenstöße der frivolen Art. Doch auch bei anderen Dialogen wird es zuweilen rüde und sexuell aufgeladen, dabei hat Jens Marnowsky den heftigen Originaltext bereits „entschärft“. Die Akteure aber, unter ihnen etliche frischgebackene Abiturienten, spielten mit viel Spielfreude auf und das galt auch für die von Meic Stephan einstudierten Choreografien.
Immer wieder gab es Musikeinlagen bis hin zu Rap und Opernarie, bei denen sowohl die Schulband wie auch die Sänger überzeugten. Bis das Ganze ebenso schräg philosophisch wie schwarzhumorig ins morbide Finale führte. Der Todesengel hatte inzwischen allen Figuren seinen Stempel auf die Stirn gedrückt und für surreale Missverständnisse sorgte bei all dem ein Obdachloser, der alle Toten verstehen kann, nur geben seine Übersetzungen das Gesagte nicht immer so ganz richtig wieder.
Als dann schließlich die immer wieder mal über die Bühne tappernde blinde Frau „Hallo?“ ruft, ist die Bühne leer und das Stück aus. Und das – ebenfalls coronagemäß reduzierte – Publikum springt auf zu großem Beifall für eine unter diesen Umständen großartige Leistung. – Die nächsten Aufführungen folgen nun heute sowie am 10., 12. und 13. Juli jeweils um 19.30 Uhr.
Der Untertitel: „AUFFÜHRUNG Mariengymnasium Jever führt im Juli sein neues Stück auf“
Szenenprobe
JEVER/WAN Und nun zum Trotz: es wird in diesem Sommer ein Musical am Mariengymnasium zu Jever geben! Vom 6. bis zum 16. Juli sollen je nach Corona-Situation bis zu sechs Aufführungen open-air stattfinden
Regisseur und Allroundmanager Jens Marnowsky hat dafür mit Helmut Kraussers „Haltestelle Geister“ eigens ein corona-geeignetes Stück ausgesucht, das ohne enge Gruppenbildungen auf der Bühne auskommt. Seit drei Wochen proben die Mitwirkenden nun bereits draußen, denn als Bühne dient der Pausenhof. An diesem Mittwoch fand endlich die erste gemeinsame Probe von Ensemble und Band statt, bei der Choreograf Meic Stephan auch die sehr unterschiedlichen Tanzeinlagen einstudierte.
Abstände einzuhalten war während des strengen Lockdowns natürlich eine besondere Herausforderung und anfangs konnte es sogar nur per Online-Proben gehen. Dann folgten Musikerproben, bei denen jeder der Bläser in einem gesonderten Klassenzimmer spielte. Die zehn Musiker und Jens Marnowsky waren an diesem milden Probennachmittag – „Bei den vorherigen Proben hier draußen haben wir ganz schön gefroren!“ – die einzigen ohne Maske und die 15 Akteure mussten schon recht laut sprechen, um überhaupt verstanden zu werden.
Das postmoderne Stück wurde 2007 bereits einmal von der Musical-AG des MG inszeniert und war nicht nur ein umjubelter Erfolg, aus ihm ging mit Jonas Schlagowsky auch ein Akteur hervor, der inzwischen als Schauspieler auf großen Bühnen und im Fernsehen spielt. Nicht umsonst gilt allerdings eine Altersbegrenzung ab 16 Jahre, weil es in „Haltestelle Geister“ ausgesprochen deftig zugeht mit rabiaten Szenen und Texten. Wobei die diesjährigen Akteure aus den Jahrgängen 9 bis 13 kommen und einige gerade erst dieses Alter erreicht haben.
Die besonderen Umstände lassen im Übrigen lediglich 50 Zuschauer pro Aufführung zu. Wegen der wettermäßigen Unwägbarkeiten und eventueller Querschüsse durch Corona gibt es keinen Vorverkauf und es wird ein QR-Code vorgehalten, um tagesaktuell feststellen zu können, ob die jeweilige Vorstellung stattfinden kann.
Für Jens Marnowsky ist es seit 1998 bereits die 18. Inszenierung, die des letzten Jahres aber soll auch nicht entfallen. Die Pandemie hatte das selbst entwickelte Stück „Homo Empathicus“ bekanntlich ausgebremst, nachdem es schon fast bühnenreif einstudiert war. Es dreht sich um die wilden 20er Jahre des 20. Jahrhunderts und hier heißt es noch einmal „Trotzdem“ – es soll nun eben 2022 nachgeholt werden und dann möglichst wieder in gewohnter Form und im Theater am Dannhalm.
GESCHICHTE Warum 22 Männer vor 75 Jahren ihr Abitur in Jever zweimal machen mussten
JEVER/WAN An sich ist das Abitur ja eine einmalige Angelegenheit, mit der die Absolventen die „Allgemeine Hochschulreife“ erlangen. Vor 75 Jahren jedoch gab es am Mariengymnasium zu Jever 22 jungen Männer, die gewissermaßen ein doppeltes Abitur ablegten.
Bis auf ein paar internierte Soldaten oder Vertriebene handelte es sich um den jeverschen Jahrgang 1926. Diese Schüler hatte die Wehrmacht kriegsbedingt im März 1943 als Flakhelfer zum Fliegerhorst Upjever abkommandiert. Anfangs gab es dort auch noch etwas Unterricht, da die jungen Männer jedoch bald schon als viel wichtiger für die Erringung des Endsiegs erachtet wurden, erhielten sie auf Grundlage einer entsprechenden Verordnung von 1940 das sogenannte Notabitur und den Marschbefehl.
Wie Oswalt Andrae (1926-1997) zum Goldenen Abitur vor 25 Jahren als Betroffener süffisant schilderte, sollte sich das mit der Hochschulreife als eine Illusion herausstellen: „Das Soldatenleben pflegte im Allgemeinen nicht nur Hebung des geistigen Niveaus eines Menschen beizutragen. Da außerdem die Schulbildung der Kriegsabiturienten recht lückenhaft war,…. entschlossen sich die Hochschulen 1945, die sogenannten Reifevermerke ohne Prüfung nicht mehr anzuerkennen.“
Um die an dieser Misere ja schuldlosen jungen Männer nicht im Regen stehen zu lassen, lud man sie zu einem halbjährigen Kursus ein, um die für das Abitur erforderlichen Kenntnisse doch noch zu erwerben. Immerhin wollte man den „Kriegsveteranen“ aber nicht das volle Programm aufnötigen und beließ es bei den Fächern Deutsch, Latein, Englisch, Mathematik und Physik.
Um den wieder anlaufenden Schulbetrieb im MG, das während der Kriegsjahre bekanntlich als Lazarett genutzt worden war, nicht durch solche erwachsenen Schüler zu stören, fand der Unterricht ab dem 24. Oktober in einem Privathaus an der Schlachte statt. Wie klug diese Regelung war, unterstreicht dazu ein Kommentar von Oswalt Andraes Klassenkamerad Ingo Gralfs: „Es war erstaunlich, wie junge Männer, die die schrecklichsten Kriegswirren durchlebt hatten, auf der Schulbank wieder in die alte Pennälerhaltung zurückfielen.“
Tatsächlich gibt es manche Anekdoten über kleine Flegeleien, Zigarettenqualm in der Klasse und Veräppelungen von Lehrern. Die übrigens durchweg Spitznamen bei den Schülern hatten: Direktorlein (Oberstudiendirektor Gerwin), Hein Uhl (OstD Dr. Uhlmann), Klassenlehrer Buffi (Studienrat Schmertmann), Traumulus (StR Dr. Niermeyer), Pük (StR Dr. Andrée) und Pips (StR Krüger).
Am 1. April 1946 war es dann wirklich kein Aprilscherz, dass alle 22 ihr nunmehr einschließlich einer Prüfung erworbenes vollwertiges Reifezeugnis erhielten. Und es ist überliefert, dass aus allen „etwas geworden“ ist. Ingo Gralfs zum Beispiel machte eine Karriere bis hin zum Senatspräsidenten beim OLG Celle und Oswalt Andrae wurde als Dichter und Schriftsteller weit über seine Heimat hinaus berühmt.
JEVER/WAN Aus der coronabedingten Not machte der „Verein der Ehemaligen des Mariengymnasiums zu Jever e.V.“ eine Tugend. Am Freitag führte der Verein seine Jahreshauptversammlung als Hybridveranstaltung per Videokonferenz durch.
Da die weit über 500 Mitglieder ohnehin quasi weltweit verstreut sind, hatte das den Vorteil, dass diesmal einige von weit her teilnahmen. Unter ihnen konnte die Vereinsvorsitzende Renate Janßen-Niemann mit Antje Naujoks sogar ein Mitglied aus Beer Sheva in der israelischen Negevwüste begrüßen.
Der Jahresbericht zeigte, dass durch die Pandemie für die Ehemaligen zwei Veranstaltungen weggebrochen waren. So musste der Abend mit Walter Joshua Pannbacker aus der Reihe „Ehemalige persönlich“ entfallen und schmerzlich vermisst wurde auch das beliebte Alumni-Treffen von jungen und nicht so jungen Ehemaligen nach Weihnachten im Mariengymnasium.
Einhellig befürwortet wurde bei den alljährlichen Spenden für Schulzwecke ein Betrag von 2000 Euro. Dazu erläuterte der ebenfalls zugeschaltete Schulleiter Jürgen Ploeger-Lobeck die eine Hälfte des Betrages für den Bereich Musical AG. Deren Choreograf Meik Stephan habe für das letztjährige Stück vollen Einsatz gebracht und dann musste es pandemiebedingt abgesagt werden. Auch für dieses Jahr sei eine Aufführung fraglich.
Der Choreograf werde üblicherweise aus den Einnahmen bezahlt, die aber nicht zustande kamen. Aus dem Schuletat sei ein Honorar jedoch nicht statthaft, andererseits könne man ihn schlecht „für lau“ arbeiten lassen. Nun sollen sich die Ehemaligen und die beiden anderen Fördervereine des MG die Entlohnung teilen.
Als Signal zum Einplanen wurden zudem 1000 Euro für ausgeleuchtete Vitrinen im naturwissenschaftlichen Trakt bewilligt, die aber vermutlich erst 2022 aufgestellt werden können. In ihnen sollen wertvolle Tierpräparate und ähnliches ausgestellt werden, die bei den derzeitigen Renovierungsarbeiten wiederentdeckt wurden.
Bei seinen Schilderungen aus dem Schulleben in Corona-Zeiten konnte Schulleiter Ploeger-Lobeck davon berichten, wie gut dem MG die Umstellung auf den digitalen Betrieb gelungen ist (die WZ berichtete). Es herrsche allgemeine Zufriedenheit bei allen Betroffenen. Belastungen gebe es am ehesten von außen, wenn zum Beispiel die Landesschulbehörde per Mail Schnell- bzw. Selbsttest anordne und das mit 30 Seiten Anleitung dazu.
Abschließend wurde Antje Naujoks für ein Buchgeschenk gedankt, das sie der Bibliothek des MG gemacht hatte. Es ist ihre mittlerweile 15. Übersetzung aus dem Hebräischen und diesmal ging es um Pater Ernst Schmitz‘ Werk „Das Heilige Land zu Beginn des 20. Jahrhunderts“. Der Geistliche und Zoologe hatte darin auch über Ulrich Jasper Seetzen geschrieben, den berühmten Orientforscher aus Jever. Dieser einstige Abiturient des MG sei im Übrigen noch immer sehr präsent vor Ort und Antje Naujoks, die seit vielen Jahren in der Wüstenstadt lebt, schaut sogar von ihrem Balkon auf den Ort, wo Seetzen 1807 kurz geweilt hat.
FOTO: Schulleiter Jürgen Ploeger-Lobeck über die Schulter geschaut: eines der typischen Unterrichtsmodule, die im digitalen Unterricht über IServ laufen
JEVER/WAN Im Jahr 2020 hatte es wegen der Umstellung von G 12 auf G 13 gar kein Abitur am Mariengymnasium zu Jever gegeben. Dafür wird das Abitur 2021 nun um so spezieller, denn die Coronakrise lässt auch an dieser Schule keinen Normalbetrieb zu.
Dennoch erklären Schulleiter Jürgen Ploeger-Lobeck und seine Stellvertreterin Katrin Finke optimistisch, dass die aktuelle Q2 ein hervorragender Jahrgang sei, der nach Ostern mit den Abi-Klausuren beginnen und am 14. Juni seine Noten bekommen werde. Ihr Optimismus begründet sich auf zahlreichen Maßnahmen, mit denen man sich mit Erfolg den besonderen Bedingungen angepasst hat.
70 Schüler umfasst die Q2 und nur fünf von ihnen haben sich aus verschiedenen triftigen Gründen für das Home-Schooling entschieden. Mit ihnen hält man den nötigen Kontakt per Videokonferenz einschließlich Konferenzmikrofonen und der Unterricht laufe problemlos. Die übrigen Schüler aber genießen außergewöhnliche Raumbedingungen, denn da ja alle anderen fast 1000 Schüler derzeit im Home-Schooling sind, stehen diesen 65 für ihren Präsenzunterricht sämtliche Räume des MG zur Verfügung.
Da gibt es keinerlei Probleme mit dem Abstand, wenn sich zum Beispiel eine Gruppe für ein bestimmtes Fach gleich in einem ganzen Kunstsaal verteilen kann. Lediglich für die Lehrkräfte bedeutet das zuweilen einiges an „Wanderschaft“ zwischen den Klassen. Die Zusammenarbeit im aktuellen Abi-Jahrgang sei hervorragend, zum Anderen komme diese Q2 in besonderem Maße in den Genuss der Betreuung durch sämtliche betroffenen Lehrkräfte, da keiner von ihnen durch Klassenfahrten oder Lehrerfortbildungen abwesend sei.
Eine Besonderheit für das Abitur 2021 gilt im Übrigen für ganz Niedersachsen: die zentralen Aufgabenstellungen eröffnen diesmal Auswahlmöglichkeiten. Während sonst auch die Kurslehrer die Aufgaben erst am Klausurmorgen erfahren, gibt es ausnahmsweise für Arbeitsbereiche, die nicht genügend behandelt werden konnten, Alternativvorschläge.
Einziger kleiner Wermutstropfen für das MG ist die auffallend geringe Zahl angehender Abiturienten in diesem Jahr. Da habe es aus verschiedenen Gründen leider einen kleinen Aderlass im letzten Jahr gegeben. So sei das Fehlen einer Informatikklasse ein wichtiger Grund gewesen, aber auch einige andere ungünstige Konstellationen. Da habe vor allem das Gymnasium der BBS mit seinem deutlich anderen System von Wahlmöglichkeiten gelockt, erläuterte Schulleiter Ploeger-Lobeck dazu.
Inzwischen habe das MG da jedoch an einigen wichtigen Stellschrauben gedreht und erwarte bei den nächsten Abi-Jahrgängen wieder die gewohnten Zahlen von 100 plus. Ansonsten aber hat das Gymnasium die Krise bisher bestens in den Griff bekommen und da halfen auch Maßnahmen, die bereits vor Corona erfolgten. So erfolgt der digitale Unterricht über Videokonferenzen und mit Aufgabenmodulen für das jetzt nahezu komplette Home-Schooling über das IServ-System.
Das schuleigene IServ-Team im Kollegium hatte schon vor Corona die Fortbildungstage wegen des wegfallenden Abiturs zur Ausbildung genutzt und längst ist die jetzige Nutzung bei Lehrern wie Schülern zum Normalfall geworden. Der Server stehe übrigens im Haus und da Iserv kein offener Kanal sei, haben auch Dritte keinen Zugang. Alle Schüler seien zudem ausreichend technisch ausgerüstet, wobei 40 von ihnen mit Leihgeräten über den Landkreis Friesland versorgt wurden.
Abschließend drückt nun Katrin Finke, die turnusmäßig den Abi-Vorsitz hat, der Q2 die Daumen für ein gutes Gelingen. Und dass die Abiturienten weder auf die am 1. Juli in der Stadtkirche geplante Zeugnisausgabe noch auf die obligatorische Abi-Fete verzichten müssen.
Einladung zur Jahreshauptversammlung am Freitag, dem 19. März 2021, um 19 Uhr. In diesem Jahr das erste Mal als öffentliche online-Video-Konferenz. Hierzu sind alle Mitglieder und Gäste herzlichst willkommen.